Zeit für die Trendwende

Editorial Pferdeforum Mai 2014

Vor einem Jahr hatte ich es an dieser Stelle schon angedeutet: Es wird Zeit, Zeit für die Trendwende; soll heißen, die züchterische Enthaltsamkeit aufzugeben und die guten Stuten wieder – mit den richtigen Hengsten – zu belegen.

Der Vorsitzende der Deutschen Zuchtverbände Theo Leuchten stellt angesichts der aktuellen Entwicklung in der Reitpferdezucht (siehe Pferdeforum 5/2014, Seite 4, FN-Bericht) völlig zu Recht fest: „Wir sehen hier viel Potenzial für unsere Züchter, denn bei sinkenden Bedeckungszahlen werden wir schon sehr bald einen Mangel an jungen Pferden für den Turniersport haben.“
2008 war mit rund 50.000 Bedeckungen in der Warmblutzucht bundesweit eine Rekordmarke aufgestellt worden. Daraus resultierten im Folgejahr fast 36.000 geborene Fohlen. Nach drastischen Rückgängen in den letzten Jahren sind auch in 2013 die Bedeckungen gegenüber 2012 noch mal wieder um 10% gesunken auf nur noch 28.800 gedeckte Warmblutstuten, gegenüber dem Rekordjahr 2008 ein Rückgang um mehr als 40%. In Folge dessen sind kontinuierlich schrumpfende Fohlenjahrgänge zu verzeichnen.
Gab es schon 2012 mit 26.503 Fohlen im Vergleich zu 2009 rund ein Viertel weniger registrierte Fohlen, ging diese Zahl 2013 noch einmal deutlich auf rund 24.000 Warmblutfohlen zurück. In diesem Jahr werden es weniger als 22.000 sein. Ausgehend von der Annahme, dass die Drei- und Vierjährigen im Wesentlichen den Markt für junge Reitpferde bestimmen, kann man festhalten, dass in den Jahren 2011 bis 2013 jeweils mehr als 32.000 Remonten auf den Markt drängten. Jeder, der ein Pferd verkaufen wollte, hat es gemerkt: Das waren eindeutig zu viele für den angespannten Pferdemarkt. 2015 werden es dann noch 27.000 sein, 2016 nur noch knapp 23.000.
Hält man dagegen, dass allein der deutsche Turniersport in den letzten zwanzig Jahren jährlich immer um die 20.000 Neueintragungen (in Liste I, Inländer) zu verzeichnen hatte, in 2013 ausnahmsweise sogar 23.000, dann wird deutlich, dass in den letzten Jahren ein Überangebot da war, dass sich aber kontinuierlich abgebaut hat und deshalb in den nächsten Jahren junge Reitpferde gesucht sein werden.
Und sobald Remonten spürbar knapp werden, wird sich auch der Fohlenmarkt wieder nachhaltig beleben. Das Züchten wird sich aller Voraussicht nach künftig wieder lohnen, meint optimistisch
Dr. Heiko Meinardus