Thema des Monats

Pensionspferdekosten

Pünktlich mit dem Knallen der Sektkorken trat auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent in Kraft. Dies betrifft auch die meisten der Pensionspferdehalter - kaum, dass sie die Einführung der Mehrwertsteuerpflicht vor zwei Jahren "verdaut" haben.
Ist das Maß bereits voll, die Kostenspirale am Ende - oder können Pensionspferdebetriebe die erhöhten Mehrwertsteuern und die teils erheblich gestiegenen Kosten für Energie etc. auf ihre Kunden umlegen? pferdeforum fragte nach.  
 
Herwig Gerdes, Steuerberater und Pensionspferdehalter,
Bad Zwischenahn-Bloh
Ich habe erst einmal die Kosten neu kalkuliert. Viele Kosten, insbesondere Stromkosten, sind stark gestiegen. Dabei schaue ich auch, ob es Kosteneinsparungspotentiale gibt. Dieser kalkulierte Kostenpreis ist aber nicht der Angebotspreis. Der Angebotspreis sollte die eigene Arbeitsleistung berücksichtigen und - wenn möglich - auch einen Gewinnzuschlag enthalten. Beim Angebotspreis berücksichtige ich meine Stallauslastung und die Preise in meiner Region am Stadtrand von Oldenburg. Die Mehrwerststeuererhöhung habe ich in voller Höhe auf den Preis umgelegt. Zugleich habe ich die Preiserhöhung genutzt, um die angebotenen Leistungen etwas umzustellen.   Wichtig war mir auch, mit den Kunden im Vorfeld über die Leistungen und Kosten zu sprechen, damit sie die Preiserhöhung nachvollziehen können und akzeptieren. In vielen Betrieben wird man nicht drum herum kommen, die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben, da die Gewinnspanne in der Region sowieso schon gering ist. Hier wünsche ich mir manchmal mehr kostenrechnerisches Denken bei den Betriebsleitern und Mut, Kosten weiter zu geben. Das Hobby Reiten ist teurer geworden. Doch der Pensionspferdehalter hat nichts von der Preiserhöhung. Der lachende Dritte ist der Fiskus.  
 
Hof Seeverns, Butjadingen
Familie Harbers Bahr in Seeverns hat in den letzten Jahren erheblich in moderne, artgerechte Pferdhaltung investiert. Die Aufzuchtställe sind um großzügige Ausläufe ergänzt und kürzlich bei einem bundesweiten Wettbewerb prämiert worden. Beim Hauptbetrieb in Seeverns sind eine neue Halle und ein neuer Außenplatz errichtet worden, weshalb einer mäßigen Preiserhöhung ab 1. Januar auch entsprechende Mehrleistungen entgegengestellt werden können.  
 
Frauke und Leenert Cornelius, Ovelgönne
Der Betrieb Cornelius nimmt in erster Linie Pensionspferde für die Weidesaison in Futter. Der Aspekt Energiekosten fällt deshalb nicht so unmittelbar ins Gewicht. Was die Mehrwertsteuer betrifft, so haben sich Cornelius' wegen des nicht so großen Umfanges der Pensionspferdehaltung als Kleinerzeugerbetrieb vom Finanzamt anerkennen lassen. Sie brauchen deshalb keine Mehrwertsteuer abzuführen, weshalb die Erhöhung sie in diesem Punkt nicht trifft. Außerdem halten sie eine etwaige Erhöhung der Pensionskosten wegen gestiegener Kosten nicht für durchsetzbar. Sie befürchten dann das Abwandern von Kunden, da der Konkurrenzdruck unter den Weidebetrieben groß sei.  
 
Hof Bramlage, Bünne
Auf dem Hof Bramlage in Bünne wird seit Generationen Pferdezucht und -aufzucht betrieben. Das Pferd steht dabei heute wie damals im Mittelpunkt - "individuelle Betreuung" ist das Stichwort. Dies erfordert zwar einen hohen zeitlichen Aufwand, unterscheidet die Betriebsführung aber signifikant von vielen anderen Pferdebetrieben. Als Sieger eines Bundeswettbewerbes für Zucht- und Aufzuchtbetriebe wurde dieses intensive Bemühen um jedes einzelne Pferd von der Bewertungskommission entsprechend honoriert. Die Nachfrage unterstreicht, dass Norbert Bramlage mit seiner Philosophie exakt den Zeitgeist trifft. Er hat deshalb auch keine Probleme, die Einsteller moderat an den aktuellen Kostensteigerungen zu beteiligen.    
 
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