Haut und Haare
22.02.2010 

Mehr als eine Schutzhülle

Glänzt das Fell des Pferdes, freut sich der Reiter. Schließlich ist die Haut der Spiegel der Gesundheit und gibt Aufschluss über das Befinden des Pferdes. Stumpfes oder struppiges Fell deutet auf eine Störung des Organismus hin.  
 
Die Haut (Cutis oder Derma) des Pferdes ist sein größtes Organ, die es wie eine Hülle umschließt und vor äußeren Einflüssen und Verletzungen schützt. Sie ist mit zahlreichen Blutgefäßen versehen und regelt den Thermohaushalt des Organismus, so schützt sie vor Überhitzung, Unterkühlung und Feuchtigkeitsverlust und sorgt für eine konstante Körpertemperatur von etwa 38.5 Grad. Eine große Rolle spielt die Haut auch für die Immunabwehr und den Stoffwechsel, als wichtiges Ausscheidungsorgan für Schlacken und Abbauprodukte. Viele Stoffwechselstörungen sind am schlechten Zustand des Haarkleides erkennbar. Die Haut ist außerdem mit zahlreichen Nerven, Sinneszellen und Drüsen ausgestattet, die der Kommunikation und Reizweiterleitung dienen. Da die Haut auch in direkter Verbindung mit vielen inneren Organen steht, lassen sich einige Krankheiten erfolgreich mit Hilfe von Akupunktur behandeln.   

Drei Schichten

Die Pferdehaut ist ein recht komplexes Organ, welches aus drei Schichten besteht: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis) und Unterhaut (Hypodermis). Die äußere Schicht ist die mit Haaren bedeckte Oberhaut, in der sich auch die Pigmente zur Farbgebung befinden. Sie besteht aus lebenden Hautkeimzellen und einer Hornschicht, deren verhornte Zellen nach dem Abstoßen als Schuppen sichtbar sind. In den Zellzwischenräumen der Oberhaut befinden sich viele nützliche Mikroorganismen, die für den ph Wert zuständig sind, der beim gesunden Pferd leicht sauer ist und zwischen 4,8 – 6,8 liegt. Der ph Wert sollte nicht aus seinem natürlichen Gleichgewicht gebracht werden, etwa durch scharfe Pflegemittel, mechanische Reize oder auch extreme Stressbelastungen, da sich dann schädigende Pilze oder Keime ansiedeln können. Versorgt wird die Oberhaut durch die darunter liegende Lederhaut, mit der sie durch Papillarkörper fest verbunden ist. In der Lederhaut werden die Haare gebildet. Ihr Gewebe ist sehr schmerzempfindlich, da sich hier zahlreiche Nervenbahnen, Blutgefäße sowie Hautdrüsen befinden. Pro Quadratzentimeter gibt es bis zu 100 Schweißdrüsen, die zur Wärmeregulation dienen, über den Schweiß Duftstoffe senden und Stoffwechselschlacken ausscheiden. Spezielle Talgdrüsen produzieren eine fettige Substanz, sorgen für Geschmeidigkeit von Haut und Haar und schützen vor äußeren Einflüssen. Die dritte und dickste Hautschicht ist die Unterhaut, die aus lockerem Bindegewebe und Fettzellen besteht. In der Hauptsache dient die Unterhaut als Fett- und Energiespeicher sowie zur Stoßdämpfung. Hier befindet sich auch die Muskulatur, welche die Haut zucken lässt, sobald eine Fliege auf dem Pferd landet. Fettablagerungen der Unterhaut sind bei übergewichtigen Tieren besonders gut erkennbar am Mähnenkamm, dem Widerrist oder dem Schweifansatz. Bei sehr alten oder kranken Pferden ist diese Fettschicht häufig nur noch unzureichend ausgebildet, die Knochen stehen heraus und sie wirken kantig.  

Mehrere Haartypen

In der Haut werden die Haare gebildet, die aus dem Haarfollikel, der Haarwurzel und dem Haarschaft bestehen. Jedes Haar ist mit einem speziellen Muskel verbunden, mit dessen Hilfe es sich, je nach Temperatur, aufstellen oder flach anlegen lässt. Wir unterscheiden zwischen Deck- oder Oberhaaren, Langhaaren (Schopf, Mähne, Schweif, Kötenbehang), Woll- oder Unterhaaren und Tasthaaren. Die Oberhaare leiten Feuchtigkeit ab (Regenrinne) und bilden den Haarstrich, der die Wuchsrichtung bestimmt. Die Unterhaare bilden während der kalten Jahreszeit eine wärmende Schicht. Das Langhaar hält Nässe ab und schützt vor Insekten. Die Tasthaare um Maul und Augen sind mit Rezeptoren versehen, sie haben die Aufgabe, Futter zu sortieren oder Gegenstände in unmittelbarer Nähe zu erspüren -Tasthaare sind wichtige Sinnesorgane und dürfen keinesfalls entfernt werden. Die Länge, Dichte und Ausbildung des Fells ist abhängig vom Klima, der Rasse, den Haltungsbedingungen ebenso wie vom Alter, der Nährstoffversorgung und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Pferdes.  

Perfekte Thermoregulation

Mit Hilfe von Haut und Haaren hat die Natur das Pferd perfekt ausgerüstet, selbst extreme Temperaturschwankungen kurzfristig auszugleichen. Durch Aufrichten der Haare wird die wärmende Isolierschicht erhöht, durch Flachanlegen wird sie verringert. Bei Anstrengung oder Hitze werden die Blutgefäße der Haut erweitert, so dass sich große Mengen Blut an der Körperoberfläche schnell abkühlen. Zusätzlich kann die Haut mithilfe ihrer Schweißdrüsen Feuchtigkeit produzieren, um den Körper zu kühlen, dabei können erhebliche Mengen Flüssigkeit und Elektrolyte abgegeben werden. Insbesondere Natrium, Kalium, Chlorid, Kalzium und Magnesium müssen bei Pferden zugeführt werden, wenn sie viel schwitzen. Gesteuert wird der Thermoregulationsmechanismus durch Muskelkraft. Funktionieren kann er nur beim gesunden Pferd mit intaktem Hautstoffwechsel. Um ihre Aufgaben einwandfrei erfüllen zu können, müssen Muskeln regelmäßig trainiert werden. Das heißt, Pferde benötigen natürliche, täglich wechselnde Temperatur- und Umweltreize, wie Wärme, Kälte, Regen und Sonne, sowie zur Anregung der Durchblutung das regelmäßige Wälzen, Scheuern und gegenseitige Fellkraulen mit Artgenossen. Viele Hautprobleme entstehen bei Pferden, die ständig eingedeckt sind oder in gleichmäßig beheizten Ställen gehalten werden. Auch Bewegungsmangel, Stressbelastung, Umwelteinflüsse sowie falsche Ernährung können Auslöser für Hautirritationen sein.  

Pflege mit Bedacht

Pilze und Krankheitserreger können sich auf der Haut nur ansiedeln, wenn ihr natürlicher Säureschutzmantel nachhaltig gestört ist. Um den ph Wert nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen, sollte die tägliche Pflege des Pferdes mit Bedacht geschehen. Sorgfältiges Entfernen von Schweißresten und Dreck sind besonders nötig bei Pferden, die keine Möglichkeit haben, sich nach dem Reiten zu wälzen. Regelmäßige Hygiene ist wichtig, es gilt jedoch, das richtige Maß zu finden - zu häufiges Putzen oder die falsche Verwendung von harten Striegeln oder Bürsten kann der Haut auch schaden. Gewaschen werden sollte das Fell nur mit klarem Wasser oder mit rückfettenden Pferdeshampoos.  

Erkrankungen der Haut

Hautpilz ist eine hochinfektiöse Erkrankung verursacht durch Pilze (Microsporum und Trichophytonarten). Die Haut weist haarlose Stellen und Flechten auf, die sich schnell ausbreiten können. Zur sicheren Diagnose ist es  ratsam eine Pilzkultur anzulegen. Der Tierarzt verschreibt Lotionen zum Waschen mit einen keimtötenden Wirkstoff. Hygiene ist bei Pilzbefall besonders wichtig (Putzzeug, Decken usw. immer nur für ein Pferd verwenden).   Ekzeme sind Hauterkrankungen, die ausgelöst werden durch eine Überreaktion des Organismus auf verschiedene Umwelteinflüsse oder Unverträglichkeiten. Sie äußern sich durch Juckreiz, Scheuern, kahle oder wunde Stellen. Am häufigsten tritt das Sommerekzem auf, ausgelöst durch Stechmücken der Gattung Culicoides. Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig, wichtig ist eine eiweißarme Ernährung sowie Schutz vor Mücken und Insekten. Ekzeme können auch durch imprägnierte Geschirr- oder Sattelteile ausgelöst werden. Hier helfen desinfizierende Waschungen oder das Wechseln der Ausrüstung.    Dermatophilose ist eine verbreitete Hautkrankheit, ausgelöst durch das Bakterium Dermatophilus congolensis, die hauptsächlich in der feuchten Jahreszeit auftritt. An den befallenen Stellen lösen sich Krusten mit ganzen Haarbüscheln. Die Stellen sind meist nicht entzündlich, sie können mit desinfizierenden Mitteln behandelt werden und verschwinden bei Trockenheit meist schnell wieder.    Mauke ist eine der gefürchtetsten Hautveränderungen, die Fesseln und Beine befällt und für das Pferd sehr schmerzhaft ist. Häufiger Auslöser ist das Stehen in schmutziger Einstreu (amoniakhaltiger Lauge), welche die Haut angreift. Entgegen landläufiger Meinung schadet feuchter Naturboden der Pferdehaut nicht, sofern er sauber ist und der Kot abgesammelt wurde. Wichtigste Behandlungsmaßnahme ist die Beseitigung der auslösenden Ursachen und trocken halten der befallenen Stellen. Wie fast alle Hautkrankheiten kann Mauke auch durch Stoffwechselstörungen ausgelöst werden. Auch eine genetische Veranlagung wird nicht ausgeschlossen.   Das Equine Sarkoid, ein Hauttumor, ist eine wuchernde Hauterkrankung, die beim Pferd an verschiedenen Stellen als geschwulstartige Zubildung auftreten kann und sehr häufig aufbricht. Das oft nur bei älteren Schimmeln vorkommende Melanom ist meist gutartig und bildet im Bereich der Schweifrübe dicke Knoten, die mitunter den Kotabsatz behindern können. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die mit dem Tierarzt abgesprochen werden sollten.   Hautprobleme können auch durch Parasiten entstehen wie Läuse, Milben, Haarlinge, aber auch Bremsen, Mücken und Fliegen, die Infektionen und Würmer übertragen. Wichtige Präventionsmaßnahmen sind Hygiene, Insektenschutz und regelmäßige Wurmkuren. Desinfizierende Waschungen helfen bei äußerlichem Befall.  

Stoffwechselbelastung durch Fellwechsel

Eine besondere Belastung für den Organismus des Pferdes ist der Fellwechsel von Winter- auf Sommerfell, bei dem neue Haare nachgebildet und die alten abgestoßen werden. Ausgenommen davon sind die Mähnen- und Schweifhaare, die das ganze Jahr über wachsen. Der Körper richtet sich dabei nach der Länge des Tageslichts, weshalb es vereinzelt Pferde gibt, die schon früh im Jahr mit dem Abstossen einzelner Haare beginnen, wenn die Tage wieder länger werden. Der Stoffwechsel läuft dann auf Hochtouren und benötigt eine ausgewogene Versorgung mit Eiweiß, Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen. Kommt es während des Fellwechsels zu verminderter Leistungsbereitschaft, die Tiere wirken schlapp oder verlieren an Gewicht, kann dies ein Hinweis auf Mangelerscheinung sein und die Futterration sollte überprüft werden. Da auch hier ein Zuwenig ebenso schädlich sein kann wie Überdosierungen, sollte im Zweifelsfall der Tierarzt um Rat gefragt werden - eine Blutuntersuchung gibt Auskunft ob dem Vierbeiner wichtige Mineralstoffe oder Spurenelemente fehlen. Grundsätzlich benötigt ein Pferd zur Fellneubildung Eiweiß, Aminosäuren (Methionin und Lysin) und essentielle Fettsäuren.  

Alte Pferde mit Problemen

Besonders belastend ist der Fellwechsel meist für alte Pferde, deren Stoffwechsel nicht mehr so gut funktioniert und die aufgrund fehlender Energiereserven (wenig Fettablagerung der Unterhaut) häufig sehr langes Winterfell haben. Man spricht auch von Angstfell, das nur verzögert abgeworfen wird. Hilfreich kann eine Teilschur sein oder die Anwendung von Naturheilkundeverfahren, wie beispielsweise Akupunktur oder Homöopathie, auf die viele alte Tiere sehr gut ansprechen. Auch die meisten Robustpferde oder Ponys haben ein sehr dickes Winterfell und brauchen für den Wechsel länger als hochblütigere Tiere. Der Pferdehalter kann den Fellwechsel unterstützen, indem er die losen Haare ausbürstet und dem Pferd reichlich Möglichkeit zum Wälzen gibt. Bewährt hat sich auch die zwei bis drei Mal wöchentliche Fütterung von handwarmem Kleie Mash oder eine tägliche Gabe kaltgepresstes Öl ins Futter.
 
Text: Meike Bölts  
 

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